Persönlichkeitskonsum

Samstagabend.
Ich sehe euch
aus dem Fenster
doch ihr mich nicht.

Bin allein,
eingebettet im Kokon,
ein Raum indem
alles aussieht wie ich
alles riecht wie ich
alles klingt wie ich

Niemand denkt an dich,
wenn du dort bleibst.
Wenn doch, stell dich stumm.
Geh nicht runter,
du wirst ihn vermissen,
deinen Kokon.

Nur heute Abend
konsumiert mich niemand.
Morgen ist ein neuer Tag;
morgen seht ihr mich.

 

Rosé

Ein Glas Rosé
Am Rand die kleinen
Wassertropfen
Und das knackende Eis
Stellt keine Fragen

Auf knittrigem Laken
Steht es mit nur einem Bein
Das Glas Rosé
Steht fester
Als ich mit Zweien

 

S-Bahn Poesie Teil 1

Halte bitte nicht an
Fahre weiter
Immer weiter
Auf den Gleisen

Die den Rädern den Weg
Aufzeigen, euch weisen
Selbst durch undurchdringliche
Nebelschwaden

Fahre weiter durch Feuer
Verbrenn‘ dein Metall
Sehne dich nach Regen
Bis er kommt

Lächele der Sonne entgegen
Wenn sie scheinend
Auf deine fahrenden
Wagen schaut

Dir ist die Mündigkeit gegeben
Befreie die Hände
Vom Beten, strecke sie aus
Male mit ihnen.

 

Mit der Bewegung
Wird Raum zerschnitten
Zeichnest, wer du bist
In die Luft

Damit sie merkt
Wie du fährst
Geschwindigkeit überschreitend
Den Weg ohne Anfang und Ziel

Mache alles
Aber bitte fahr‘ weiter
Immer weiter
Auf den Gleisen

Denn wirst du langsamer,
Der Durchzug leiser,
Spüre ich die Kälte des Regens
Auf meiner Haut

Also fahr‘ bitte weiter
Damit ich nicht merke
Wie verloren ich bin.